Ein ganz normaler Tag

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Ein ganz normaler Tag

Beitrag  Der Herold des Königs am Mo 22 Mai 2017 - 12:42

Frühling lag in der Morgenluft.
In den schattigen Wäldern mochte man noch das ein oder andere Fleckchen Schnee finden, auf den Feldern und Wiesen aber regierte Abbat Frost allenfalls noch in der tiefen Nacht. Die Sonne legte sich nun jeden Tag früher auf das Land und spendete wohltuend die Feuer der Anderswelt. In Den Ställen und Gehöften war schon das erste Geschmeiß wieder anzutreffen und erfüllte die früh morgendliche Stille mit leisem Gesurre und Gebrumme.

So war es auch in der Tichelee, dem kleinen Ziegeleidorf unweit des Kloster Doralsmund und nahe der Reichsstraße, die auch gen Bärenfels führte. Unweit des, Reiherbeeks, dessen Name den gut zehn bis fünfzehn Schritt breiten Fluss etwas untertrieb und der das Dorf so nach Süden natürlich begrenzte stand ein Haus. Dies mochte nicht allzu verwunderlich klingen. Ging man jedoch davon aus, dass alle anderen Gebäude, so sich nicht Ställe waren, bestenfalls als Hütten zu bezeichnen waren, dann wurde aus dem Wort 'Haus' schnell eine Ehrung. Dieses Haus, es beherbergte eine Taverne, trug den Namen 'Zur Blauen Elster'. Eine sichtbare Verbindung zwischen dieser Gaststätte und Kroms prunkvollem Schiff gab es zwar keine, jedoch fanden sich in Amsivar zahllose Gaststätten die diesen Namen trugen. Meistens lagen diese jedoch an der Küste oder an großen Flüssen und nicht an "Reiherbeeken".

Ging man durch die Eingangstür, welche, neben einem aufgemaltem blauem Vogel auch von einem Bund vertrocknetem Knoblauchs geziert wurde, so stand man in einem niedrigem Raum, dessen Boden von einigen schlafenden Reisenden geziert wurde. Obgleich das Herdfeuer nur noch glomm, war es doch recht warm in diesem Zimmer. Und es roch. Würde man sich nun zur Rechten wenden, so sähe man drei Türen. Zwei dieser Türen führten zu den "echsklosieven" Gästezimmern für Wohlhabendere. in einem hiervon schlief Jorge.

         Chichirichì

Jorge schnarchte.

         CHICHIRICHI

Jorge machte schmatzende laute, welzte sich einmal auf die andere Seite.

         CHICHIRICHI

Jorges Schnarchen setzte wieder ein.

         CHICHIRICHI

Jorge grunzte und vertrieb mit dem Zucken der Nasenspitze eine Fliege, die sich auf dieser niedergelassen hatte.

Eine kernige Frauenstimme drang durch die dünne Holzwand aus der Nachbarkammer.
         "DREHT ENDLICH MAL EINER DEM DRECKSTIER DEN HALS UM ODER MUSS ICH!?"

Jorge saß aufrecht im Bett.
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Beitrag  Jorge Bronzestobere am Mo 22 Mai 2017 - 19:49

Die beiden Beine auf den Boden gestellt setzte sich Jorge in seinem Bett erst mal auf. Erst mal einen Blick nach links und einen nach rechts… Uff, sachte. Das war noch zu viel für den Brummschädel den er nun umso deutlicher merkte. Er tastete mit der Zunge erst mal an seinem Gaumen. „Pfui, ist in meinem Mund heute Nacht ein Nasser Hund verreckt?“ dachte er sich. Er erinnerte sich, dass mal ein anderer Reisender ihm in Bierseliger Laune erzählte, dass man ein gutes Bier daran erkennen würde, dass es am nächsten Morgen noch genauso schmecken würde wie abends zuvor. Sein blick streifte zu den hölzernen Humpen auf dem Boden neben dem Bett. Eine Pfütze war noch drin. „Naja um den Hund aus meinem Mund zu vertreiben wird’s wohl reichen“. Und er leerte den Krug, Gurgelte und Streckte den Sud aus seinem Mund in den Becher zurück. „Wenn ich mich unter Menschen wagen will sollte ich mich vielleicht erst einmal Frisch machen“.
So stand Jorge auf, streckte sich, kratzte sich an den Afterbacken und stolperte Barfuß zur Tür, um eine Waschschüssel zu suchen.
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Re: Ein ganz normaler Tag

Beitrag  Der Herold des Königs am Di 23 Mai 2017 - 10:07

Auf der Türschwelle stolperte er über ein Stöckchen auf das er selbst am Abend zuvor ein "JB" geritzt hatte. Die zahlreichen Kerben unter den Initialen kamen jedoch nicht von ihm. Draußen räumten gerade die ersten Strohsäcke in ein angrenzendes Kämmerchen. Das Brüllen hatte wohl nicht nur ihn selbst aufgeweckt. Der Katzenjammer hing wie ein dunkler Schatten im Raum. Vom Wirt selber war noch nichts zu sehen. Nach kurzem Umschauen fand Jorge eine große Holzkumme über die sich gerade ein hagerer Greis in bloßer Bruche beugte.
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Re: Ein ganz normaler Tag

Beitrag  Jorge Bronzestobere am Mi 24 Mai 2017 - 9:05

„Hmm alles noch so ruhig.“
An und für sich mochte Jorge diese Morgen, sind sie doch meist ein letztes Zeugnis für einen schönen geselligen Abend. Auf den Kater und den Flauen Magen konnte er gut und gerne verzichten, aber besonders die Momente wo man in die Räume der vor-abendlichen Feierei zurückkehrt, und einzelne Mittäter dabei beobachtet, wie sie friedlich ihrer Morgenwäsche nachgingen oder die Reste des Vorabends beiseite Räumten um Platz für ein kleines Frühstück zu schaffen. Was ihm aber am meisten gefiel war, dass die Menschen an solchen Morgen noch nicht in der Lage waren in ihre alltäglichen Rollen zu schlüpfen. Jeder einzelne war vollkommen mit sich beschäftigt. Niemand Redete und wer nicht Redete konnte auch nicht Lügen oder schlechte Dinge erzählen. Denn das war es was die Menschen für gemeinhin tun. An solch einem Morgen waren aber alle gut.

Jorge setzte sich an einem Platz gegenüber eines älteren Greises und räumte einige Humpen zur Seite. Der Greis reichte ihm stumm einen Knust vom Brot. Jorge holte noch einen kleinen Rest Hartkäse aus seinem Beutel, und legte ihn in die Mitte der Beiden.
Noch so eine Sache die ihm so an solchen Momenten gefiel. Es wurde einfach selbstlos geteilt. Denn jeder kannte das Leid des anderen nur zu gut und Leidensgenossen halten zusammen, das kannte er schon aus den Kriegstagen.
Einen Moment hielt Jorge inne, um den Moment auf sich wirken zu lassen. Vereinzelt traten goldene Sonnenstrahlen aus den Zwischenräumen des Gebälks. Ein schwerer Geruch aus Scheiß, altem Pfeifentabak und Abgestandenem Bier lag in der stickigen Luft. Insgesamt sicher keine Atmosphäre die man für gemeinhin als schön bezeichnen könnte. Doch grade die Gerüche riefen jedes Mal, mehr denn alle anderen, eindrücke Erinnerungen wach, an die sich Jorge gut und gerne erinnerte.
Was wohl aber das eindrücklichste und wohltuendste war, dass Jorge nun Empfand ist, dass auch er mal ganz er selbst sein konnte. Auch er hatte es nicht nötig zu Lügen, zu Prahlen, oder über andere schlecht zu reden, nur um selbst besser da zu stehen.
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Re: Ein ganz normaler Tag

Beitrag  Der Herold des Königs am Di 30 Mai 2017 - 11:21

Dann barst die Stille auseinander.

Der Wirt, ein Mann den das Wetter so sehr gegerbt hatte, dass sein Alter wohl nur noch von den Adepten des Verkalbundes zu Dohlheim* ermittelt werden konnte, hatte die Eingastür mit dem Fuß zu öffnen versucht, während er Einen Stapel Holz im einen und einen gewaltigen Laib Brot im anderen Arm trug.

Der Versuch misslang katastrophal.

Während die Tür von ihm wohl unbeabsichtigt beinahe eingetreten wurde und daraufhin mit lautem Donnern einen Hocker mit Holztellern und Zinnbesteck umstieß, verlor der Unglückselige zudem das Gleichgewicht. Der Versuch dieses wieder zu erlangen wurde sogleich durch die Türschwelle selbst zunichte gemacht gegen die er mit dem nachziehenden Fuß stieß. Auch der Versuch sich am Türrahmen festzuhalten scheiterte und ließ lediglich das Brot durch den Raum und in die Wasserkumme fliegen. in welcher sich der Greis immer noch wusch. Nun hatte dieser zudem auch eine keine Dusche bekommen. Vorn überfallend ergoss der Wirt ein Stakkato aus Holzscheiten auf einen schlafenden Suffkopp welche überrascht und schmerzerfüllt aufschrie und panisch hoch fuhr. Hierbei kollidierte sein ohnehin dicker Schädel mit dem des nun knienden Wirtes. Beide jaulten neuerlich auf und hielten sich die Hände vor die Stirn.

Dann herrschte für einen Augenblick wieder Stille.



*Verkal gilt als Vater der Alchemie. Zwar sind viele seiner Thesen heute widerlegt, dennoch beziehen sich zahlreiche Alchemisten auf das Wirken ihres Alfodaros. In Dohlheim arbeitete zur Zeit eine emsige Truppe dieser Berufsgruppe an Sediment Untersuchungen um zu verstehen, wie alt das 'Trocken' auf dem Amsivar lag war.

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Beitrag  Jorge Bronzestobere am Mi 31 Mai 2017 - 20:41

Jorge schaute verdutzt von seinem Teller auf.

"Uhh, ist euch etwas zugestoßen? Moment,....." Jorge erhob sich um zur Tur zu gehen und nach zu sehen wo hilfe Benötigt wird. "Ich komme zu euch."
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Re: Ein ganz normaler Tag

Beitrag  Der Herold des Königs am Do 1 Jun 2017 - 10:49

Vor sich hin fluchend rappelte sich der Mann wieder auf.
"Eh? Schon gut... Hab mir nur den Kopf gestoßen. Aber Danke."
Etwas Umständlich klaubte er das Holz wieder auf.
"Weißt ja was man sacht: Besser alles viermal fallenlassen als zweimal zu gehen."
Mittlerweile war das Brot wieder aus der Kumme gefischt worden und schien noch rettbar zu sein. Immer noch grummelig legte der Wirt das Holz in die erkaltende Glut und legte den Laib daneben.
"Aber kommen wir zu erfreulicheren Dingen. Also erfreulich für mich! Eh? Zeche steht an."

Durch einen dicken Nebel hindurch erinnerte sich Jorge daran, dass der Wirt irgendwann nicht mehr bar kassiert hatte. Die Stimmung war zu dem Zeitpunkt schon recht bier- und metselig gewesen. Wie viel er vernichtet hatte, das konnte er zu dieser Stunde noch nicht ganz überblicken. Sein Schädel verriet ihm aber, dass es viel gewesen sein musste. Und er erinnerte sich wage daran, dass er Tehabêd, einen Zwergen-Drahtzieher den er hier getroffen hatte und vor dessen Wohlstandbauchs er sich etwas profilieren wollte mindestens einen ausgegeben hatte. Umblicken stellte er fest, dass dieser jedoch nirgendwo zu sehen war.
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Re: Ein ganz normaler Tag

Beitrag  Johann Lechler am Do 29 Jun 2017 - 23:37

[Wurde via Skype weitergeführt.]
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